Vergessene Steine

Manchmal, ja manchmal da erscheint uns das Leben so schrecklich beschwerlich. Nichts scheint zu funktionieren oder auch nur ansatzweise lösbar zu sein. Ich bin wirklich noch nicht alt, aber mir wurden schon sehr viele Steine in den Weg gelegt. Nicht dass mein Leben nicht schön wäre, aber einfach ist es mit Sicherheit auch nicht. Doch egal, was auf uns zukommt, das Leben geht weiter. Die Welt dreht sich ohne Unterlass und so ergeben sich immer neue Chancen und offene Türen.

Doch darüber möchte ich heute gar nicht sprechen. Vielmehr geht es mir mit diesem Text darum Dinge aufzuarbeiten. Ich weiß nur zu gut, wie es ist wenn man nicht die Gelegenheit hat Dinge für sich im Kopf seelisch und psychisch oder in anderen Fällen vielleicht auch körperlich aufzuholen. Bevor man den ersten Stein richtig beiseite schieben konnte, sieht man schon den zweiten und drückt an ihm herum. Eine unglaublich mühsame Arbeit, die uns oft alles schöne drum herum vergessen lässt.

Sowohl Unsicherheiten, Krankheiten, Sorgen, Probleme in der Familie oder mit Freunden, als auch schulischer Druck, Selbstzweifel und große Verluste haben mir in den letzten Jahren stark zugesetzt. Gerade die letzten 25 Monate waren für mich eine besonders intensive Zeit, voll Veränderungen und Herausforderungen.

Hatte man das eine gerade geschafft, so wartete die nächste Aufgabe bereits, sodass man weder Zeit noch Kraft hatte mit den Dingen wirklich und endgültig abzuschließen. Keine Möglichkeit zum trauern, überdenken, loslassen, lernen und auf null kommen. Ständig unter Strom und immer versucht die Dinge aus der Vergangenheit auszublenden. Doch dann plötzlich kommen die Momente, die an sich vielleicht gar nicht so dramatisch wären. Ein Streit, ein Kommentar zu deiner Figur, ein Rückschlag -und zack kommt alles wieder hoch. Wie ein Vulkan sprudeln alle Gefühle, Gedanken, Erinnerungen, Sorgen, Ängste und Hoffnungen aus dir heraus, ohne dass du es unterdrücken kannst.

Und genau dass meine ich. Tiefpunkte wird es immer geben, aber wenn du dir die Zeit lässt und dir selbst genug Vertrauen schenkst jeden dieser Tiefpunkte für sich zu verarbeiten, so wird er nie so schmerzlich sein, dass du nicht mehr herausfindest. Wenn aber alles, dein ganzes Streichhölzchenhaus mit einem mal umgepustet wird und deine routinierte, gemachte Welt, dein Alltag mit einem mal zusammenbricht, so wirst du sehr viel länger brauchen, um dich zurück zu kämpfen. Ich merke in diesen Momenten, was wir alles falsch machen.

Uns nicht selbst, der wichtigsten Person im Leben genug Zeit und Zuversicht zu schenken um die Dinge wieder gerade zurücken ist einer der größten Fehler, die wir unserer Psyche antun können. Wunden müssen heilen. Wenn wir uns am Finger verletzen, kleben wir ein Pflaster drauf und geben besonders Acht auf die Stelle, pflegen sie, aber was tun wir mit unserer Seele? Überleg einmal, wie viele Minuten, Sekunden dein Leben hat, da kann es nicht mehr richtig erscheinen alles zu unterdrücken, anstatt sich die Zeit zu geben, die man braucht und wieder zu heilen. Innerlich und äußerlich. Also vergiss nicht, was im Leben zählt.

Aus jeder schlechten Phase, aus jedem Stein, der dir in den Weg gelegt wird kannst du etwas mitnehmen und sie sind zum lernen und wachsen gedacht, aber du musst dir selbst und anderen auch die Chance dazu geben und erkennen, was du gerade brauchst und wofür du vielleicht eben noch nicht bereit bist.

Du bist unglaublich wertvoll, deine Seele ist eine der einflussreichsten Teile deines Körpers -behandle sie auch so!

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